Rheingau :
Was die Region für uns bedeutet

Der Rheingau ist für uns kein Zufall, sondern eine Rückkehr. Wir haben hier gemeinsam studiert und sind danach für zehn Jahre zum Arbeiten nach Berlin gezogen. Als es zehn Jahre später hieß: raus aufs Land, mit Kindern und Haustieren, war die Frage nach dem Wohin schnell beantwortet. Es zog uns alles zurück in den Rheingau.
‍
Die Region ist malerisch, im Sommer ganz besonders, aber eigentlich das ganze Jahr über. Weinberge, die bis an den Rhein reichen, kurze Wege zwischen den Orten, jahrhundertealte Weingeschichte an fast jeder Ecke. Und eine Rebsorte, für die kein anderes Anbaugebiet so konsequent steht wie dieses: Riesling.

Gleichzeitig wirkt der Rheingau manchmal verschlossener, als er sein müsste. Genau da setzen wir an: mit etwas mehr Lockerheit, kulinarischer Neugier und familiärer Nähe, ohne das aufzugeben, was diese Region groß gemacht hat.

50.0469° N 7.8178° E

50.0404° N 8.0846° E

Was ist der Rheingau? Fakten zum Weinanbaugebiet

Der Rheingau ist eines der 13 deutschen Weinanbaugebiete und mit rund 3.200 Hektar Rebfläche eher klein. Er reicht von Hochheim am Main im Osten bis Lorchhausen im Westen. Das Besondere ist ein geografischer Zufall: Der Rhein weicht hier dem Taunus aus und fließt auf rund 25 Kilometern von Ost nach West. Dadurch liegen die Weinberge am nördlichen Ufer auf Südhängen, geschützt vom Taunus im Rücken, mit dem Fluss als Wärmespeicher davor.

Auf engem Raum liegt hier viel Geschichte. Zisterzienser gründeten im 12. Jahrhundert Kloster Eberbach und prägten den Weinbau der Region über Jahrhunderte. Auf Schloss Johannisberg wurde 1775 die Spätlese entdeckt: Der Legende nach kam der Kurier mit der Leseerlaubnis aus Fulda Wochen zu spät, die Trauben waren längst edelfaul, und der Wein wurde trotzdem großartig. Daran erinnert bis heute der Spätlesereiter. Dazu kommen Häuser wie Schloss Vollrads, die den Ruf des Rheingaus über Generationen in die Welt getragen haben.

Was uns im Alltag am meisten auffällt: Der Rheingau ist dicht besiedelt, die Wege sind kurz. Man lebt zwischen Wiesbaden, Mainz und Frankfurt praktisch in einem Ballungsraum und steht trotzdem nach kurzer Fahrt mitten im Weinberg. Für eine Weinregion ist das selten – und es macht den Rheingau zu einem Ziel, das man auch spontan für einen Nachmittag ansteuern kann.

Rheingau Riesling und Pinot Noir: wofür die Region steht

Kein anderes Weinanbaugebiet steht so eindeutig für Riesling. Knapp 80 Prozent der Rheingauer Rebfläche sind mit ihm bepflanzt, rund 12 Prozent mit Spätburgunder, der hier vor allem um Assmannshausen und Lorch Tradition hat. Alles andere spielt eine Nebenrolle. Natürlich gibt es auch im Rheingau Weingüter, die Sauvignon Blanc, Scheurebe oder sogar Merlot anbauen. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden: Wenn wir schon Traditionen neu denken, dann bei der Art, wie man Wein erlebt – nicht bei den Rebsorten, für die diese Region seit Jahrhunderten steht. Deshalb machen wir Riesling und Pinot Noir. Mit dem Anspruch die Weine daraus zu perfektionieren.

Was macht einen typischen Rheingauer Riesling aus? Eine prägnante Säure, getragen von einer guten Balance aus Frucht und Mineralik. Im Vergleich zur Mosel ist er meist etwas kraftvoller, im Vergleich zur Pfalz feiner und straffer. Und er ist erstaunlich wandelbar: Zwischen Lorch und Hochheim liegen Schiefer, Quarzit, Löss und Lehm, und jede Lage zeigt sich im Glas anders. Mehr dazu, was die Rebsorte für uns bedeutet, steht in unserem Riesling-Artikel.

Dass der Rheingau qualitativ so hoch angesehen ist, hat auch mit seiner Größe zu tun. In der Menge kann er mit Rheinhessen oder der Pfalz ohnehin nicht mithalten. Also bleibt nur ein Weg: Qualität. Für uns ist das kein Nachteil, sondern genau der Grund, warum wir hier Wein machen.

Warum Kiedrich? Unser Weg zurück in den Rheingau

Dass es der Rheingau wird, war klar. Dass es Kiedrich wird, war eine bewusste Entscheidung. Kaum ein anderer Ort im Rheingau steht so sehr für Mineralität und hochwertige Weinberge. Nicht zufällig hat auch das weltbekannte Weingut Robert Weil hier seine Heimat. Der Phyllit-Schiefer prägt die Kiedricher Lagen und gibt den Weinen genau den Tiefgang, den wir suchen. Orte direkt am Rhein wie Winkel oder Oestrich sind wärmer und bringen reifere, üppigere Weine hervor. Kiedrich liegt etwas zurückgesetzt, höher und kühler – und das schmeckt man.

Und woher kommt das „familia“? Lucas kommt ursprünglich aus Peru, Julia kommt aus Bayern, hat aber ein Jahr in Costa Rica gelebt. Lateinamerika ist für uns beide ein Teil unserer Geschichte: die Wärme, die Offenheit, die Selbstverständlichkeit, mit der man Menschen an den eigenen Tisch holt. Genau das wollen wir mit dem Rheingau verbinden. Rheingauer Herkunft im Glas, lateinamerikanische Gastfreundschaft drumherum. No legacy. New traditions.

Unsere Lagen im Rheingau: von Kiedrich bis Lorch

Unsere Weinberge verteilen sich über den Rheingau, und genau das macht sie spannend. Im Dietenberg, eine ehemalige Einzellage in der heutigen Kiedricher Wasseros, unserer höchsten Lage, entsteht unser Kiedricher Riesling: mineralisch, salzig, kompromisslos trocken. Rund 100 Höhenmeter tiefer, im Hattenheimer Engelmannsberg, wächst unser Hattenheimer – reif, fruchtig, saftig und komplett im Tonneau ausgebaut. Dazu kommt der Erbacher Honigberg. Und im Kiedricher Gräfenberg, einer der bekanntesten Lagen des Rheingaus, haben wir eine eigene Parzelle gepachtet. Unser erstes Großes Gewächs von dort liegt gerade noch im Fass und kommt im Herbst 2026 in den Verkauf.

Ganz im Westen des Rheingaus liegt der Lorcher Kapellenberg, und er ist uns besonders ans Herz gewachsen. Lorch strahlt eine andere Energie aus als die Orte im vorderen und mittleren Rheingau: ruhig, kaum touristisch, fast ein wenig aus der Zeit gefallen. Die Arbeit im Weinberg ist dort beinahe meditativ. Man hat das Gefühl, dass die Weinberge hier ihren eigenen Regeln folgen.

Der Boden erklärt, warum wir dort Pinot Noir machen. Lorch ist stark von Schiefer geprägt, der Kapellenberg aber ist eine Mischung aus Quarzitschiefer und klassischem Lehm-Löss. Für eleganten Pinot Noir ist das ideal: Reiner Schiefer könnte den Wein zu scharf machen. In der richtigen Dosis bringt er Spannung und Tiefgang, während Lehm und Löss für Rundung und Substanz sorgen. Hier entsteht unser künftiges Großes Gewächs vom Pinot Noir.

Klimawandel im Rheingau: was die heißen Sommer verändern

Auch am Rheingau geht der Klimawandel nicht vorbei. Die letzten beiden Sommer waren sehr heiß, 2026 außerdem außergewöhnlich trocken. Die Trauben reifen früher, die Lese beginnt früher. Besonders betroffen sind steile Lagen direkt am Rhein wie der Rüdesheimer Berg Schlossberg: Dort standen die Reben unter starkem Trockenstress, viele Betriebe haben deutlich an Menge verloren.

Das eigentliche Problem ist aber nicht die Menge, sondern der Stil. Wenn die Reife überhandnimmt, steigt der Alkohol – und elegante, herkunftsbetonte Weine werden schwieriger. Genau die wollen wir aber machen.

In unseren Lagen ist das bisher kein Problem, und das ist kein Glück, sondern Lage. Kiedrich und der Kiedricher Berg liegen etwas vom Rhein entfernt und höher. Von den Wäldern des Taunus oberhalb strömt kühle Luft in die Weinberge, und der Phyllit-Schiefer sorgt für Mineralität und Tiefgang, auch in warmen Jahren. Was vor zwanzig Jahren vielleicht als Nachteil galt, ist heute einer der größten Vorteile dieser Lagen.

Weingüter im Rheingau: zwischen Tradition und Aufbruch

Die große Geschichte des Rheingaus ist Segen und Last zugleich. Namen wie Kloster Eberbach, Schloss Johannisberg und Schloss Vollrads haben die Region weltberühmt gemacht. Gleichzeitig hat sich der Rheingau in den letzten Jahrzehnten ein Stück weit auf diesem Ruhm ausgeruht. Von außen wirkt er auf viele eher verschlossen, manchmal sogar etwas verstaubt und wenig innovativ. Damit tut man dem Rheingau aber unrecht.

Denn das Potenzial für großen Wein ist weiterhin ungebrochen hoch. Und es bewegt sich gerade einiges: In nicht wenigen Weingütern findet ein Generationswechsel statt, neue Ideen treffen auf alte Lagen. Genau in diesem Moment sind wir dazugekommen.

Was wir mitbringen wollen, ist keine Revolution im Weinberg, sondern eine andere Art, Wein zu erleben. Weniger Etikette, mehr Lockerheit. Kulinarische Neugier statt Standard-Weinprobe. Und eine familiäre Nähe, bei der man nicht nur den Wein kennenlernt, sondern auch die Menschen, die ihn machen. Riesling und Pinot Noir bleiben, wie sie in den Rheingau gehören. Neu ist, was drumherum passiert.

Den Rheingau erleben: Tipps für deinen Besuch

Der Rheingau ist eine der wenigen Weinregionen, die man gut zu Fuß erlebt. Der Rheinsteig führt oberhalb der Weinberge entlang und bietet einige der schönsten Ausblicke über das Rheintal. Kloster Eberbach, nur wenige Minuten von Kiedrich entfernt, lohnt sich schon wegen der Architektur – und seit März 2026 auch kulinarisch: Das Sternerestaurant „Ente“ ist aus Wiesbaden ins historische Pfortenhaus des Klosters gezogen. Ganz in unserer Nähe kocht Johannes Frankenbach im „Jean“ in Eltville, ebenfalls mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Eine ausführliche Liste unserer Restaurant-Tipps im Rheingau folgt.

Und natürlich freuen wir uns, wenn du bei uns vorbeikommst. Unser Hof liegt in der Eltviller Straße 11 in Kiedrich. Am besten reist du mit dem Auto an und parkst direkt bei uns, Hunde sind angeleint herzlich willkommen. Wenn du spontan da bist, kannst du an unserer Bar „al mostrador“ alle fünf Weine probieren – ruf uns vorher kurz an oder schreib per WhatsApp, damit wir sicher vor Ort sind.

Wer mehr Zeit mitbringt, nimmt Platz: bei „con calma“ für eine Stunde in Ruhe mit ein paar Snacks, bei „la mesa“ für zwei Stunden mit fünf Weinen und fünf passenden Food-Pairings, bei schönem Wetter im Garten. Brot kommt von der Bäckerei Schroer, Käse von Edelpilz in Eltville. Für Gruppen gibt es die vierstündige Wine Experience mit Essen im Weinberg, außerdem regelmäßige Weinberg-Picknicks und unsere Straßwirtschaft „el patio“ im Hof, mit Blick auf die Weinberge.